Nachbericht zum IDC Presse Dialog: Internet of Things in Deutschland 2016 | Über IDC | IDC Germany

Viel Luft nach oben: Deutsche Unternehmen vergeben Chance, ihre digitale Transformation mit IoT voranzutreiben

IDC Prognosen zufolge werden sich die heute knapp 15 Milliarden weltweit vernetzten „Dinge“ bis 2020 verdoppeln. Auch hierzulande nimmt das Internet of Things (IoT) zunehmen an Fahrt auf. Der Großteil der Unternehmen befindet sich allerdings noch immer in der Evaluierungs- und Planungsphase von IoT-Initiativen. Organisationen verkennen also offenbar das Potenzial, sich durch IoT vom Wettbewerb zu differenzieren – und lassen damit wertvolle Chancen, die ihnen die digitale Transformation bietet, ungenutzt. Diese und weitere Erkenntnisse der neuen IDC Studie „Internet of Things in Deutschland 2016“ wurden ausgesuchten Vertretern der IT-Fachpresse am 11. November 2016 in München vorgestellt. Neben den beiden Studienverfassern Mark Alexander Schulte und Laura Hopp teilten Peter Wüst (Netapp), Martin Böker (Samsung Electronics) und Oliver Edinger (SAP) ihre Sicht auf den Markt mit den anwesenden Journalisten. Moderiert wurde die Diskussionsrunde von Lynn Thorenz, Leiterin des Bereichs Research und Consulting bei IDC.

Das Internet of Things (IoT) bietet Unternehmen nicht nur die Möglichkeit, interne Abläufe zu optimieren und damit Kosten zu sparen, sondern auch komplett neue Geschäftsmodelle zu verwirklichen und ist somit der Wegbereiter für die digitale Transformation von Organisationen und deren Branchen. IDC hat im Oktober 2016 395 Organisationen mit mehr als 100 Mitarbeitern aus acht Branchen befragt, um herauszufinden, wo deutsche Unternehmen im Hinblick auf das Internet der Dinge stehen, welche Pläne sie haben und wo sie die größten Herausforderungen sehen.

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Vorteile werden erkannt, Potenzial aber (noch) nicht ausgeschöpft
Die Vorteile für Unternehmen, die IoT in ihre Organisationen einbinden, liegen klar auf der Hand. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die sich durch eine Vernetzung ergeben, sind immens. Sie reichen von der Prozessoptimierung - hier wäre etwa Predictive Maintenance zu nennen - und der daraus resultierenden Effizienzsteigerung, über die Generierung von Mehrwerten für bestehende Produkte – wir denken an das vernetzte Auto - bis hin zum Eintritt in völlig neue Märkte, die durch IoT erst möglich werden. Die riesigen Mengen an Daten, die bei der Nutzung vernetzter Objekte entstehen, bilden darüber hinaus die Basis, um das Unternehmens-Portfolio noch gezielter auf die Kunden auszurichten und damit die Kundenzufriedenheit zu erhöhen. „Datenmanagement ist ein entscheidendes Bindeglied in der IoT-Wertschöpfungskette aller Branchen“, weiß auch Peter Wüst, Senior Director Emerging Solutions & Innovation Group EMEA bei Netapp. Das Ziel sei es, das bestmögliche aus den Daten herauszuholen. „Jede Branche und jeder Anwendungsfall hat jedoch unterschiedliche Ziele und Herausforderungen und somit auch andere Vorteile“, ergänzt Wüst. Man müsse die Unternehmen dort abholen, wo sie stehen, darin sind sich die Teilnehmer der Gesprächsrunde einig.

„Die Ergebnisse der Studie bestätigen, dass das verarbeitenden Gewerbe im Kontext von Industrie 4.0 hierzulande vorangeht“, berichtet Laura Hopp, Consultant bei IDC und Co-Studienautorin. Aber auch Organisationen aus dem Transportgewerbe, dem Gesundheitswesen oder der Versorgungsbranche haben IoT-Projekte in der Planung. Aufgrund der allgemeinen Ressourcenknappheit und strikten regulatorischen Gegebenheiten bildet die öffentliche Verwaltung sowohl was den Einsatz als auch die Planung von Smart City Use Cases betrifft das Schlusslicht.

Mit dem Vier Stufen Modell zum erfolgreichen IoT-Projekt
Typischerweise durchlaufen Unternehmen bei der Umsetzung von IoT-Projekten vier Stufen: Im ersten Schritt werden Objekte, Assets oder Produkte vernetzt. Die dadurch entstehenden Informationen liefern die Basis für Stufe zwei, dem Monitoring der entsprechenden Objekte und Prozesse. Auf der nächsten Stufe nutzen Firmen die zur Verfügung stehenden Informationen, um Prozesse und Verfahren zu optimieren. Auf Stufe vier schließlich werden neue Angebote und Dienstleistungen für Kunden durch IoT Use Cases realisiert.

Die Studie zeigt deutlich, dass über alle Branchen hinweg Anwendungsfälle, die lediglich auf einer Vernetzung der Objekte beruhen, derzeit am häufigsten umgesetzt werden. Martin Böker, Director B2B bei Samsung sieht in der Vernetzung bestehender Prozesse einen guten Startpunkt: „Hier lassen sich schnell Ergebnisse erzielen, während Unternehmen wertvolle Erfahrung in der Planung und Umsetzung von IoT-Projekten sammeln können.“ Wichtig sei nur, dass die Organisationen nicht auf dieser Stufe stehen blieben. Dieser Auffassung ist man auch bei SAP, die Walldorfer empfehlen folgenden einen „Think Bold, Start Smart, Scale Fast“-Ansatz. “Grundsätzlich sollten Unternehmen umfassend und ohne Begrenzung denken, in einem überschaubaren Echtbetrieb anfangen und im Rahmen eines schnellen Roll-out nachjustieren“, sagt Oliver Edinger, Vice President und Head of Internet of Things/Industrie 4.0. Für Peter Wüst gehören Cross-Funktionale IoT-Teams zu den Erfolgsgaranten, die Unternehmen müssten raus aus ihren Hierarchien, um bei der Umsetzung von IoT erfolgreich zu sein.

Was steht dem Start von IoT-Projekten also noch im Wege?
Chancen erkannt, Gefahr gebannt? Mitnichten! Zahlreiche Faktoren bremsen die Unternehmen derzeit noch aus. Ganz oben auf der Liste steht das Thema Security. Durch die fortschreitende Vernetzung erhöht sich die Angriffsfläche für unerlaubte Zugriffe von Externen auf die Daten der Produkte. Bereits heute berichtet schon jedes vierte Unternehmen, das mittels IoT intelligente und vernetzte Produkte anbietet, von einem derartigen Sicherheitsvorfall in den letzten 12 Monaten. Die Sorge vor potenziellen Angriffen spiegelt auch die größte Herausforderung wider, vor der Unternehmen in Bezug auf IoT-Initiativen stehen: Datenschutz und Datensicherheit. Die Ergebnisse der Studie heben den Stellenwert eines ausgereiften Sicherheitskonzepts für vernetzte Produkte und Dienstleistungen hervor. „Zu jeder professionellen IoT-Lösung gehört daher zwingend ein fundiertes Sicherheitskonzept“, betont Martin Böker.

Auch wüssten viele Unternehmen schlicht nicht, wo sie anfangen sollen und hätten zudem Bedenken, dass IoT-Projekte schnell unübersichtlich und dadurch teuer werden würden. Dem stimmt Oliver Edinger zu, die Auswahl der richtigen Startpunkte fiele nach seinen Beobachtungen vielen Firmen schwer. „Hier muss die Unternehmensführung die Handlungsfelder klar definieren.“ Auch Peter Wüst sieht Herausforderungen unterschiedlichster Natur und gibt zu bedenken, dass nicht alles, was technisch heute schon umsetzbar ist, auch ethisch vertretbar sei – hier sieht er neben der unternehmerischen auch eine gesellschaftliche Herausforderung. Ein Aspekt, den man nicht vernachlässigen sollte.  

Eine große Hürde ist auch die Auswahl des richtigen Innovationspartners für das IoT-Projekt, nicht jeder Anbieter passt trotz bester Referenzen und überzeugender Use Cases zu jedem Anwenderunternehmen. Firmen tun gut daran, neben der Auswahl der richtigen Technologie bei ihren Innovationsprojekten auf verlässliche und langfristige Partner zu setzen, die über das nötige Know-how und ein etabliertes IoT-Ökosystem verfügen. Nichtsdestotrotz: nicht alle Akteure, die wir heute im Markt sehen, werden überleben. IDC geht von einer starken Konsolidierung aus. Wer am Ende übrig bleibt? Wir werden sehen.

Fazit
IDC ist davon überzeugt, dass Unternehmen, die den Fokus ihrer IoT-Aktivitäten frühzeitig auf den Kundennutzen ausrichten, am stärksten von der zunehmenden Vernetzung profitieren werden. „Auch wenn sich IoT Use Cases je nach Industrie unterscheiden, stehen die Unternehmen doch vor ähnlichen Herausforderungen, das hat die Studie eindeutig ergeben“, resümiert Mark Alexander Schulte, Senior Consultant und Projektleiter bei IDC. Sicherheit, Finanzierung und fehlendes Know-how dominieren branchenübergreifend die Liste der größten Herausforderung. Wenn es Entscheidern gelingt, darauf Antworten zu entwickeln, wird das IoT zum Motor für digitale Transformationsprojekte in ihrem Unternehmen werden. IDC sieht allerdings auch ganz klar die IoT-Lösungsanbieter in der Pflicht, entsprechende Hilfestellung zu leisten. Nur dann können deutsche Organisationen eine Vorreiterrolle im Internet of Things einnehmen und neue Märkte und Kundensegmente erschließen.