IDC-Studie: Jeder zweite Fachbereich verfügt 2015 über ein eigenes Mobility-Budget | Über IDC | IDC Germany

Der Markt für Enterprise Mobility Management Software wird durch ein Zusammen-wachsen von MDM, MCM und MAM sowie durch die Cloud-basierte Bereitstellung getrieben. CYOD hat BYOD überholt und erschwert Unternehmen die Konsolidierung ihrer mobilen Betriebssysteme. Die Ausweitung der mobilen Business App-Landschaft bleibt Fokusthema, wobei eine durchgängige User Experience das übergeordnete Ziel sein muss. Zudem rechnet jeder zweite Fachbereich mit einem eigenen Mobility-Budget in 2015. Dies ist das Fazit der neuen IDC-Studie „Enterprise Mobility in Deutschland 2014/2015“.

Ziel der von IDC im Oktober 2014 durchgeführten Befragung unter 251 IT- und Fachbereichs-Entscheidern aus Unternehmen in Deutschland mit mehr als 100 Mitarbeitern war es, ein besseres Verständnis über die Verwendung von mobiler Technologie in deutschen Unternehmen sowie über aktuelle Anforderungen und Pläne der Organisationen zu gewinnen. Der Vergleich mit den Vorgänger-Studien aus den Jahren 2012 und 2013 ermöglicht zudem das Aufzeigen von Entwicklungen. Besonders im Blickpunkt standen Software für das Enterprise Mobility Management (EMM), der Einsatz mobiler Endgeräte und Applikationen sowie sicherheitsrelevante Aspekte. Die wichtigsten Ergebnisse dieser Befragung werden im Folgenden zusammengefasst.

Enterprise Mobility-Konzepte in deutschen Unternehmen gereift

Enterprise Mobility hat sich zu einem IT-Thema entwickelt, an dem kein Unternehmen in Deutschland noch vorbeikommt. Effizientere Geschäftsprozesse, produktivere Mitarbeiter, schnellere Entscheidungen und eine einfachere Zusammenarbeit sind avisierte Vorteile durch den Einsatz mobiler Technologie. Die Herangehensweise, um diese zu erschließen, ist in vielen Unternehmen gereift: Jede zweite Organisation hat heute eine Mobility-Strategie definiert und implementiert – im Vergleich zur IDC-Studie aus dem Jahr 2012 ein Zuwachs um fast 20 Prozent. Enterprise Mobility ist somit kein Nischenthema mehr, sondern beschäftigt heute Unternehmen jedweder Größe und Branche in Deutschland.

Die wichtigsten Mobility-Initiativen für IT und Fachbereiche: Mobile Security verbessern und einheitliche User Experience ermöglichen

62 Prozent der Unternehmen zählen die Verbesserung der Mobile Security zu den drei wichtigsten Initiativen in den kommenden 12 Monaten. Nach Einschätzung von IDC ist die Gewährleistung der Sicherheit von mobilen Geräten, Applikationen und Inhalten eine der aktuell größten Herausforderung für Unternehmen, denn jedes mit dem Firmennetz verknüpfte Gerät stellt ein potentielles Einfallstor für Fremdzugriffe dar. Für Organisationen, die eine Mobility-Strategie eingeführt haben, ist das Thema besonders wichtig. Je intensiver sich Unternehmen mit der Verwendung von mobiler Technologie auseinandersetzen, desto stärker werden ihnen notwendige Sicherheitsmaßnahmen bewusst.

Für Fachbereichs-Verantwortliche ist die eine einheitliche Bedienung von Anwendungen, unabhängig vom gewählten Endgerät, die wichtigste Aufgabe für die IT in 2015. Mitarbeiter wollen die Anwendungen, die sie an ihrem Desktop-PC nutzen, auch auf ihrem Smartphone und Tablet-PC verwenden. Und zwar in gewohnter Art und Weise. Unternehmen sind aus IDC-Sicht daher nicht nur gefordert, mobile Apps für die Anwender bereitzustellen, sondern auch eine durchgänige User Experience über alle Endgeräte zu ermöglichen.

Abbildung 1: Die wichtigsten Mobility-Initiativen in den kommenden 12 Monaten

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Enterprise Mobility Management Software: Nachfrage nach integrierten Suites und SaaS-Bereitstellung wächst

Die Einführung bzw. Ausweitung von Enterprise Mobility Management (EMM) Software ist für die IT-Verantwortlichen die zweitwichtigste Mobility-Initiative im kommenden Jahr. Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen beabsichtigt in 2015 EMM Software erstmalig einzuführen. Somit wird die Anzahl an Unternehmen, die heute MDM (bei 57 Prozent im Einsatz), MCM (51 Prozent) und MAM (48 Prozent) verwenden, weiter steigen. Dies deckt sich auch mit der IDC-Einschätzung zum EMM-Markt in Deutschland. IDC prognostiziert eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate bis zum Jahr 2018 von 11 Prozent. Somit wächst EMM doppelt so schnell wie der Software-Gesamtmarkt in Deutschland in den kommenden Jahren.

Zwei Trends bei EMM Software sind deutlich zu erkennen. Zum einen wollen Unternehmen zunehmend keine Einzellösungen für MDM, MAM oder MCM, sondern integrierte EMM Suites. Zum anderen wird die Nutzung von Cloud-basierten Suites bzw. Tools in den nächsten 24 Monaten deutlich zu Lasten der On-Premise Software-Lizenz an Bedeutung gewinnen. Nach Einschätzung von IDC werden Anbieter, die diesen Anforderugen nicht genügen, keine langfristige Überlebenschance haben.

Mobile Hardware: Sättigung noch nicht erreicht

Auch wenn die Verbreitung von Smartphones und Tablet-PCs in Unternehmen in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat, ist noch keine Sättigung der Nachfrage in Sicht. Drei von vier Unternehmen planen, den Einsatz der Smart Devices auszuweiten. Die meisten Organisationen planen einen Anstieg von +6 bis +10 Prozent in den kommenden 12 Monaten – sowohl bei Smartphones als auch bei Tablets. Zudem eröffnen Gerätetypen wie hybride Geräte (2-in-1s und Convertibles) oder Phablets neue Use Cases. Das Ergebnis deckt sich mit der IDC Markt-Einschätzung. Der Smartphone und Tablet-Boom ist also noch nicht vorbei.

Choose Your Own Device (CYOD) hat BYOD in deutschen Unternehmen überholt

Im Rahmen eines CYOD-Konzeptes können Mitarbeiter ihr mobiles Gerät aus einer Liste freigegebener Geräte wählen. Die IT kommt den Wünschen ihrer Beschäftigten somit entgegen, bleibt dennoch Eigentümer der Geräte und behält somit die Kontrolle über deren Inhalte. Neben der somit gegebenen Rechtssicherheit gibt die IT-Abteilung mittels CYOD die zu unterstützenden Geräte und Betriebssysteme vor und kann somit die OS-Vielfalt steuern.

Jedes zweite befragte Unternehmen hat heute ein CYOD-Konzept im Einsatz, während BYOD bei 40 Prozent Anwendung findet. CYOD ist ein Kompromiss zwischen den Wünschen der Anwender und den Anforderungen der IT, der von vielen IT-Entscheidern favorisiert wird. „Unternehmen sind auch bereit, die höheren Kosten von CYOD im Vergleich zu BYOD im Austausch für mehr Kontrolle und Sicherheit zu tragen,“ erläutert Mark Alexander Schulte, Consultant und Projektleiter bei IDC. „Zudem zeigen sich die Anwender mit beiden Konzepten zufrieden. Ihnen geht es nicht primär darum, ihr eigenes Gerät zu verwenden, sondern vielmehr eins, das die gleichen Funktionalitäten bietet wie ihr privates.“

Konsolidierung der mobilen Betriebssysteme in Unternehmen bislang erfolglos – Komplexität bleibt hoch

Von den befragten Unternehmen haben 46 Prozent drei oder mehr mobile Betriebssysteme auf Smartphones und Tablet-PCs im Einsatz (inkl. BYOD). Durchschnittlich liegt der Wert 2014 bei 2,51 Betriebssystemen, während er im Jahr 2013 bei 2,47 lag. Die Anzahl der mobilen OS ist somit in den vergangenen 12 Monaten in den Organisationen auf hohem Niveau stagniert. BYOD oder CYOD sind zwei der Gründe, warum Unternehmen es nicht geschafft haben, ihre OS-Landschaft zu vereinheitlichen.

Für die IT bedeutet eine heterogene Betriebssystem-Landschaft einen höheren Aufwand, um Geräte zu managen sowie Applikationen und Supportleistungen für diese bereitzustellen. Die anhaltende und zum Teil steigende Komplexität führt aus Sicht von IDC zu einem steigenden Bedarf an Mobility Services. Viele IT-Organisationen können die Aufgaben mit ihrem internen Personal und Know-how nicht mehr bewältigen und fühlen sich überfordert. Fast jedes zweite Unternehmen beabsichtigt daher, einen externen Service Partner für das Mobility Management im kommenden Jahr mit ins Boot zu holen.

Ausweitung der mobilen Business App-Landschaft bleibt Fokusthema

Die Entwicklung aus dem vergangenen Jahr setzt sich fort: Unternehmen beabsichtigen, ihren Mitarbeitern den mobilen Zugriff auf mehr Business-Applikationen zu ermöglichen. Sie sind insbesondere erpicht, folgende Applikationen in den kommenden zwei Jahren mobil verfügbar zu machen: ERP-Funktionalitäten (geplant in 43 Prozent der Firmen), SCM (42 Prozent) und CRM (41 Prozent). Dabei handelt es sich um Kern-Geschäftsanwendungen, die Mitarbeiter in ihrer täglichen Routine verwenden. Nach Ansicht von IDC sollte es jedoch nicht das Ziel sein, Desktop-Anwendungen als mobile Apps bereitzustellen, sondern vielmehr den Anwendern unabhängig von der genutzten Hardware einen einheitlichen Zugriff auf die Applikation und somit ein produktiveres Arbeiten zu ermöglichen.

Um mobile Apps an die Anwender auszurollen, Updates sicherzustellen und diese zu verwalten, setzen Unternehmen neben klassischen Tools zur Softwareverteilung auch auf Enterprise App Stores. Aus Sicht der IT-Entscheider bieten diese Kontrolle, Sicherheit und Effizienz. Allerdings gab jeder zweite Business-Entscheider an, nach wie vor eine klassische Anfrage an die IT zu stellen, um mobile Apps zu beziehen. Die IT behält also noch das Zepter in der Hand – ob sie es will oder nicht.

Bring Your Own App (BYOA) als Konsequenz von BYOD

62 Prozent der Mitarbeiter aus Unternehmen mit BYOD-Konzept nutzen nicht nur die eigene Hardware sondern auch die private Software auf den Geräten für berufliche Aufgaben. Sie müssen somit keine zusätzlichen Apps auf ihrem Smartphone oder Tablet-PC installieren und sind den Umgang mit der Anwendung gewöhnt. Darüber hinaus bieten einige IT-Abteilungen keine adäquaten Enterprise Lösungen an.

„Während diese Situation für viele IT-Entscheider ein Graus darstellt, da sie gerade versuchen, private und berufliche Inhalte auf den BYOD-Geräten zu trennen, gehen einige IT-Organisationen ganz offen mit der Nutzung privater Apps um,“ so Schulte. „Die Nutzung von privaten BYOA-Tools kann zu einer höheren Akzeptanz und Produktivität der Mitarbeiter führen. Zudem können für die IT Kostenvorteile und ein geringerer Aufwand für das App Management entstehen. Letztlich ist die IT aber auch ein Stück weit machtlos.“ Acht von zehn Unternehmen mit BYOD-Konzept gestatten daher ihren Anwendern die Nutzung privater Apps für geschäftliche Zwecke.

Jede zweite Fachabteilung plant eigenes Mobility-Budget in 2015

Dezentrale Mobility-Budgets stellen letztlich die Konsequenz einer längeren Entwicklung dar. Während die Fachbereiche bei IT-Entscheidungen früher gar nicht berücksichtigt waren, wurden sie in den zurückliegenden Jahren immer häufiger in den Entscheidungsprozess involviert und verfügen nun sogar teilweise über eigenes Budget. 53 Prozent der Business-Verantwortlichen gaben an, dass es ein entsprechendes Budget in 2015 in ihrem Fachbereich geben wird. Somit liegen die finanziellen Mittel nun zum Teil bei den Abteilungen, die letztlich von dem Einsatz mobiler Technologie profitieren sollen.

Das dezentrale Budget in den Fachbereichen ist bspw. für die Entwicklung von Applikationen vorgesehen. So möchte zum Beispiel die Marketing-Abteilung mobile Apps im Rahmen eines langfristigen Marketing-Konzeptes einsetzen. Neue Anbieter, wie Marketing-Agenturen, rücken somit auf die Short-List der Fachbereiche. Liegt das Budget allerdings nicht mehr zentral bei der IT, kann es auch zu Kontrollverlusten für die IT führen; die Fachbereiche erhalten hingegen mehr Flexibilität. Aus IDC-Sicht sollten Business-Entscheider Investitionen nicht tätigen, ohne die IT ins Boot zu holen, um von deren Expertise bei der Beschaffung von mobiler Technologie zu profitieren.

Fazit

In den letzten Jahren ist die Herangehensweise an Enterprise Mobility in deutschen Unternehmen gereift. Vor dem Hintergrund, dass durchschnittlich mehr als 50 Prozent der Mitarbeiter zumindest ab und zu mobil arbeiten, bietet sich für Unternehmen durch mobile Technologie großes Potential. Kein Unternehmen kann es sich noch leisten, Enterprise Mobility zu ignorieren, denn dies wird mittelfristig zu Wettberwerbsnachteilen in ihrem Kerngeschäft führen.

In den kommenden Monaten wird sich aus IDC-Sicht in vielen Unternehmen der Fokus vom Risiko- und Kostenmanagement hin zu einem „Business Enablement“ durch mobile Technologien weiter verschieben. Weniger die Risiken, sondern mehr die Vorteile und das Potential bei der Unterstützung der Fachbereiche werden im Vordergrund zukünftiger Enterprise Mobility-Initativen stehen. Zudem wird den Fachabteilungen durch dezentrale Mobility-Budgets in 2015 eine höhere Flexibilität beim Einsatz mobiler Technologie ermöglicht.

Unternehmen haben erkannt, dass der Nutzen von Enterprise Mobility wie produktivere Mitarbeiter und verbesserte Geschäftsprozesse keine Fiktion sondern heute erschließbar ist. Dies sollten nicht nur Software- und Services-Anbieter sondern auch Hardware-Hersteller und Mobilfunkanbieter für sich nutzen. IDC erwartet insbesondere im EMM Software-Markt, dass in den kommenden Monaten eine weitere Konsolidierung stattfinden wird.

Eine Zusammenfassung der aktuellen Studie erhalten Anwenderunternehmen kostenfrei hier.
Bildhinweis: Die Biografie von Mark Alexander Schulte finden Sie unter folgendem Link.