IDC Studie: Hybrid Clouds werden Realität in deutschen Unternehmen | Über IDC | IDC Germany

IT-Verantwortliche  deutscher Unternehmen planen in den kommenden 24 Monaten die Verknüpfung ihrer bestehenden IT-Umgebung mit Cloud Services. Das erklärte Ziel ist neben der erwarteten Kosteneinsparung vor allem die agilere Unterstützung der Geschäftsprozesse. Dabei sehen sich die Firmen und Organisationen mit einigen Herausforderungen sowohl beim Aufbau als auch beim Management einer hybriden Cloud-Umgebung konfrontiert. In diesem Zusammenhang gewinnen Software-Defined Datacenter (SDDC) zunehmend an Bedeutung, so die Ergebnisse der IDC-Studie „Hybrid Cloud in Deutschland 2014“.

Ziel der im August 2014 durchgeführten Befragung unter 200 IT-Entscheidern aus Unternehmen in Deutschland mit mindestens 100 Mitarbeitern war es, die aktuellen Trends und Pläne hinsichtlich Aufbau und Nutzung von hybriden Cloud-Umgebungen zu ermitteln. Im Mittelpunkt der Studie stehen die Motive und die Lösung der vielfältigen Herausforderungen beim Aufbau von hybriden Cloud-Umgebungen. IDC versteht unter Hybrid Clouds die Verknüpfung der unternehmenseigenen, herkömmlichen IT-Umgebung mit Private, Hosted oder Public Cloud Services.

Druck auf IT nimmt zu: Business fordert Kostenreduzierung und agile Geschäftsprozessunterstützung

Die Gewährleistung der IT-Sicherheit (62 Prozent) ist aktuell die mit Abstand wichtigste Anforderung an die IT-Abteilungen. Die Reduzierung der IT-Kosten wird von 48 Prozent der Befragten genannt, im Vergleich zur Vorjahresstudie - hier lag der Wert bei 38 Prozent - lässt sich der zunehmende Druck auf die IT-Budgets ablesen. Ebenfalls auf der Prioritätenliste nach oben gerückt sind kürzere Reaktionszeiten auf neue Anforderungen des Managements (37 Prozent), im Vorjahr nannten dies nur 27 Prozent der interviewten Unternehmen. Auch im Bereich der Geschäftsprozessunterstützung ist mit 33 Prozent eine zunehmende Wichtigkeit zu beobachten (+ 4 Prozentpunkte).

Cloud Services etablieren sich weiter – gemischte IT-Landschaften entstehen

Cloud Services setzen sich immer weiter durch. Nach Angaben der IT-Entscheider nutzt oder implementiert fast die Hälfte (45 Prozent) der deutschen Unternehmen inzwischen Cloud Services,  weitere 36 Prozent befinden sich in der Planungsphase oder beschäftigen sich mit der Thematik.

Dabei sind Private Cloud-Umgebungen mit 66 Prozent aktuell noch die mit Abstand bevorzugte  Cloud-Variante, 35 Prozent nutzen eine Hosted Private Cloud oder beziehen Lösungen aus der Public Cloud (24 Prozent). Dies führt in den Unternehmen zu heterogenen IT- Umgebungen aus unterschiedlichen Sourcing-Modellen. Lediglich 15 Prozent der befragten IT-Entscheider gaben zu Protokoll, bereits heute eine oder mehrere dieser Cloud-Services auch mit ihrer herkömmlichen IT-Umgebung zu einer Hybrid Cloud verknüpft zu haben.

Abbildung 1: Einsatz und Planung (in 12 bis 24 Monaten) von Hybrid Clouds in Deutschland

abbildung01_pm07_2014
N= 160 (Unternehmen, die Cloud Services nutzen, einführen oder planen)
Quelle: IDC, 2014; „Hybrid Clouds in Deutschland 2014“

Unternehmen planen Aufbau hybrider Cloud-Umgebungen

Der Bedarf nach hybriden Cloud-Umgebungen wird zunehmend steigen, denn die befragten Organisationen planen die verstärkte Nutzung von Hosted Clouds (39 Prozent) und Public Clouds (32 Prozent). Diese Cloud Services sollen mit der herkömmlichen IT-Landschaft integriert werden. Die Befragung ergab, dass mehr als die Hälfte (54 Prozent) der IT-Entscheider – und hier vor allem aus mittelständischen Unternehmen  - in den kommenden 12 bis 24 Monate den Aufbau hybrider Cloud-Umgebungen plant.

IT setzt Projekte auf, Impulse kommen auch aus den Fachabteilungen

Die Projekte zum Aufbau von Hybrid Cloud-Umgebungen werden in vier von fünf der befragten Unternehmen von der IT-Abteilung angestoßen. Ein Großteil der befragten IT-Entscheider gibt allerdings zu Protokoll, dass die Fachbereiche zunehmend die Initiative ergreifen. Dieses Ergebnis unterstreicht  den wachsenden Einfluss der Fachabteilungen.

Mit Hybrid Clouds die IT-Anforderungen erfüllen

Die Gründe für den Aufbau von hybriden IT-Umgebungen sind vielschichtig und decken sich mit den zentralen Anforderungen, die an die IT gestellt werden (vgl. hierzu Absatz 1): Angesichts des gestiegenen Budget-Drucks sind Kostenreduzierungen (51 Prozent) das wichtigste Motiv. Die IT-Entscheider erkennen aber, dass eine einseitige Kostenbetrachtung zu kurz greift, denn schnellere Geschäftsabläufe (40 Prozent) und die kürzere Reaktionszeit auf neue Anforderungen des Managements (37 Prozent) zählen ebenfalls zu den wichtigsten Gründen für die Integration der unternehmenseigenen IT-Umgebung mit Cloud-Lösungen.

„Wenn durch den Aufbau einer hybriden Cloud-Umgebung die unterschiedlichen Applikationen miteinander verknüpft und Daten automatisch ausgetauscht werden, können Geschäftsprozesse schneller gestaltet werden. Außerdem kann zusätzliche Rechenleistung, etwa bei stark saisonabhängigem Geschäft, kurzfristig genutzt werden. Workloads werden dabei regelbasiert und automatisch in externe Infrastructure-as-a-Service verschoben. Damit wird die IT agiler“, erläutert Projektleiter Matthias Kraus, Research Analyst bei IDC in Frankfurt.

Für über ein Drittel der IT-Entscheider ist zudem die Sicherheit und Kontrolle über die Daten ein wichtiger Grund für hybride Cloud-Umgebungen.

Sicherheitsbedenken dominieren Liste der Herausforderungen

Bei der Verwirklichung von hybriden Cloud-Umgebungen stellen Sicherheitsbedenken (65 Prozent) und gesetzliche Regelungen (41 Prozent) die beiden größten Herausforderungen für die befragten Unternehmen dar. Bei der Wahl von externen Cloud Services (Hosted oder Public) im Rahmen des Aufbaus von hybriden Cloud-Umgebungen legen die IT-Verantwortlichen deshalb besonderen Wert darauf , dass die Anbieter ihre Rechenzentren in Deutschland betreiben (50 Prozent), Verträge nach deutschem Recht (48 Prozent) abgeschlossen und Daten bei der Übertragung verschlüsselt (44 Prozent) werden.  Auch fordern die IT-Entscheider Zertifikate (35 Prozent), anhand derer die Einhaltung der Datenschutzgesetze nachgewiesen wird.

38 Prozent der IT-Entscheider zeigten sich skeptisch, dass sich mit dem Aufbau von hybriden Cloud-Umgebungen ausreichende Kostenreduzierungen erzielen lassen.

Anpassungen auf IT- und Geschäftsprozessebene erforderlich

Im Hinblick auf unternehmensinterne Herausforderungen gaben die befragten IT-Entscheider die Komplexität der hybriden IT-Umgebung (35 Prozent) und die Integration der eigenen IT-Umgebung mit den Cloud-Modellen (32 Prozent) als große Herausforderungen an. Um die Komplexität zu reduzieren und die On Premise-Umgebung mit Cloud Services zu integrieren, sind aufwendige IT-Anpassungen (29 Prozent) auf allen Ebenen erforderlich: Architektur, Sicherheit, Performance, Management, SLAs, Monitoring und Reporting.

Als größte unternehmensinterne Hürde beurteilten die IT-Entscheider die Anpassung der Geschäftsprozesse (36 Prozent), denn die Rollen und Service Level der Betriebsabläufe müssen den  neuen Möglichkeiten folgen. Um dies zu realisieren, müssen IT und Fachbereiche zukünftig aufeinander zugehen. Die enge Zusammenarbeit zwischen IT und Fachabteilungen nannten 26 Prozent der Befragten als Herausforderung.

Ganzheitliches Management gefragt,  Software-Defined Datacenter wird sich etablieren

Die vollständige Kontrolle über die gesamte hybride IT-Umgebung (43 Prozent) ist für die Befragungsteilnehmer die wichtigste Anforderung. Damit sind Verfügbarkeit, Zugriff und Monitoring der unterschiedlichen SLAs gemeint. „Entscheidend ist ein End-to-End Management der hybriden Cloud-Umgebung. Erst dann kann die IT-Abteilung ihren Usern aus den Fachbereichen IT-Leistungen in Form eines Service anbieten“ ergänzt IDC-Analyst Kraus.

Aufbau und Management hybrider IT-Umgebungen sind deshalb in einem breiteren Gesamtkontext zu betrachten. In diesem Zusammenhang taucht der Begriff des Software-Defined Datacenter (SDDC) immer häufiger im Markt auf.  Dabei bündeln und automatisieren gekoppelte Software-Komponenten das Rechenzentrums-Provisioning und skalieren virtuelle und physische Ressourcen. So wird die Brücke zwischen der eigenen IT-Infrastruktur und externen Cloud Services geschlagen.

Die Bedeutung von SDDC wird in den kommenden Jahren steigen: 11 Prozent der IT-Entscheider gehen davon aus, dass das SDDC-Konzept bereits in ein bis zwei Jahren bedeutend ist. 35 Prozent erwarten, dass der SDDC-Ansatz eher mittelfristig (3-5 Jahre) ein wesentlicher Ansatz zum Management gemischter IT-Landschaften wird. Angesichts des umfänglichen Ansatzes von SDDC und der  Software-Tools, die erst allmählich auf den Markt kommen, ein nachvollziehbares Ergebnis.

Der Ansatz des SDDC befindet sich zwar noch in den Kinderschuhen, lediglich  13 Prozent der befragten Organisationen haben mit der Umsetzung eines  SDDC begonnen. Allerdings gab rund ein Viertel an,  SDDC in den kommenden 12 bis 24 Monaten zu implementieren;  weitere 20 Prozent beschäftigen sich intensiv, 18 Prozent zumindest sporadisch mit der Thematik.  Dieses Ergebnis dokumentiert das große Interesse am Ansatz des Software-Defined Datacenter.

Abbildung 2: Einsatz und Planung von Software-Defined Datacenter

abbildung02_pm07_2014
N= 160 (Unternehmen, die Cloud Services nutzen, einführen oder planen)
Quelle: IDC, 2014; „Hybrid Clouds in Deutschland 2014“

Fazit

Die Studie zeigt deutlich: Cloud Computing in den verschiedenen Varianten verbreitet sich zunehmend und durchdringt Unternehmen hierzulande. Firmen und Organisationen stehen nun  vor der Herausforderung, Cloud Services und ihre existierende On Premise-Landschaft zu einer hybriden Cloud-Umgebung zu verknüpfen – auch und vor allem weil immer mehr Fachbereiche dies fordern. Mit der Umsetzung der Hybrid Cloud will die IT vor allem Kostensenkungen realisieren und die Unterstützung der Geschäftsprozesse agiler als bislang möglich gestalten. Als die größten Herausforderungen im Hinblick auf die Umsetzung der Pläne haben sich in der Befragung erneut die Aspekte Sicherheit und Compliance bestätigt, ebenso hat sich die Anpassung komplexer Prozesse als Hürde herauskristallisiert.

Um diese Hürden zu adressieren, ist bei Aufbau und Management hybrider Cloud-Umgebungen ein ganzheitlicher Management-Ansatz erforderlich. Software Defined Datacenter stecken zwar noch in einem sehr frühen Stadium, dennoch beschäftigen sich immer mehr Unternehmen mit diesem Ansatz, um die Brücke zwischen der physischen bzw.  virtuellen IT-Infrastruktur und externen Cloud-Lösungen zu schlagen.

Nach Ansicht von IDC ist es maßgeblich wichtig, dass die IT den Fachbereichen IT-Leistungen in Form von passgenauen Services anbietet. Der Aufbau von hybriden Cloud-Umgebungen und das Management mittels Software-Defined Datacenter kann die IT bei diesem Vorhaben unterstützen. Letztendlich ist es für die Geschäftsbereiche unerheblich, welches Sourcing-Modell oder welcher Mix tatsächlich im Einsatz ist. Um die richtigen Services anzubieten und mit dem passenden IT-Sourcing-Modell umzusetzen, ist die enge Zusammenarbeit der IT-Abteilung  mit den Geschäftsbereichen erforderlich.

Noch betreibt mit knapp 15 Prozent nur ein kleiner Teil deutscher Unternehmen eine Hybrid Cloud. Die Studienergebnisse zeigen allerdings, dass sich dies in den nächsten 24 Monaten entscheidend ändern wird - bis 2016 wollen mehr als 50 Prozent der Befragten ihre Planungen in die Tat umsetzen. Anbieter in diesem Umfeld sollten die Business-Szenarien ihrer Produkte in den Vordergrund stellen und alle rechtlichen Aspekte klären, um Anwenderunternehmen die jeweilig passende Sourcing-Kombination anzubieten.

Eine Zusammenfassung der aktuellen Studie können Anwenderunternehmen kostenfrei hier anfordern.

Bildhinweis: Die Biografie von Matthias Kraus finden Sie hier.