Hidden Champions: Der Markt für Business-Anwendungen in Deutschland | Research | IDC Germany

Hidden Champions: Der Markt für Business-Anwendungen in Deutschland

Von Matthias Zacher, Manager Research & Consulting bei IDC

In den tagesaktuellen Diskussionen um die digitale Transformation und die Rolle von Informationstechnologie könnte man den Eindruck gewinnen, dass klassische Business-Software in die zweite Reihe verpflanzt wurde. Der Eindruck täuscht. Genau das Gegenteil ist der Fall. Die digitale Transformation wäre ohne CRM, ERM/ERP oder SCM nicht realisierbar.

Interessanterweise diskutieren CIOs und IT-Leiter gerade jetzt wieder verstärkt über ERP, um die wachsende Komplexität ihres Business bzw. neue oder veränderte Geschäftsmodelle betriebswirtschaftlich abbilden zu können. IDC beobachtet, dass sich immer mehr Unternehmen mit einem „ERP der Zukunft“ beschäftigen. Kern künftiger ERP-Lösungen sind eine Cloud-Plattform, Offenheit durch APIs sowie umfassende Analysefunktionalitäten, die immer stärkere Nutzung von künstlicher Intelligenz und Machine Learning sowie die Automatisierung von Prozessketten und Funktionsschritten. ERP-Systeme werden immer stärker um Assistenzsysteme zur direkten Interaktion angereichert. Die Qualität der intelligenten Systeme wächst kontinuierlich durch die Verbesserung der Algorithmen und eine permanente Auswertung der zur Verfügung stehenden Datenquellen und Daten.

Der Markt für Business-Software wies mit rund 8 Prozent im Jahr 2016 nach wie vor ein gutes Wachstum auf. Das ist ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Für das laufende Jahr erwartet IDC wieder einen leichten Anstieg auf 9 Prozent.

IDC ordnet Business-Software die Lösungsbereiche Collaboration, Content, CRM, Engineering, ERM, Operations und Manufacturing sowie SCM zu. Der vollständige Software-Markt umfasst neben Business-Software noch den Teilmarkt Application, Development und Deployment sowie den Teilmarkt System Infrastruktur Software.

Abbildung: IDC Top-5-Vendor Shares Business Application Software Deutschland 2016

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Quelle: IDC, 2017

Die Top 3-Anbieter, die den Markt für Business-Software schon seit Jahren erfolgreich besetzt haben, sind SAP, Microsoft und Datev. Sie verfügen gemeinsam über einen Marktanteil von gut 31 Prozent. Zwei der drei größten IT-Anbieter sind deutsche Unternehmen, ein Umstand, den es vor dem Hintergrund der starken Internationalisierung der Softwareindustrie hervorzuheben gilt. Die zehn größten Anbieter von Business-Software repräsentieren einen Marktanteil von knapp 44 Prozent des Gesamtmarkts. Ihr Anteil ist marginal gesunken. Bis auf IBM und Infor haben alle in der Tabelle vertretenen Anbieter ihre Umsätze gegenüber dem Vorjahr gesteigert.

Cloud Computing bleibt aus Sicht von IDC zentraler Treiber der künftigen Deployments von Business-Software. Immer mehr Anbieter modularisieren ihr Portfolio und ergänzen ihre On-premises-Lösungen um Cloud-Angebote.

Auch kleine und mittlere Unternehmen zeigen sich zunehmend offen für Cloud-Angebote, beispielsweise Collaboration, Content und Accounting. Sie setzen vor allem kleine und mittlere ERP-Anbieter unter Druck, die ihrerseits stärker gehostete Lösungen und Managed Services anbieten. Zudem verzeichnet IDC ein starkes Interesse von Kleinstunternehmen an webbasierten Diensten wie Terminmanagement, Mitarbeiterplanung, usw. Mit der immer stärkeren Integration einzelner Funktionsbausteine wächst das Interesse dieser Unternehmen an Businessanwendungen stark. 

Die Kunden erwarten flexible und moderne Lösungen, die die Anforderungen umfassend abdecken und schnell an Veränderungen angepasst werden können. Zudem wird die Automatisierung von Funktionen und Prozessen immer wichtiger.

Fazit
Business-Software bleibt für IT-Anbieter auch in den nächsten Jahren ein vielversprechendes Geschäftsfeld. Insbesondere die Softwarehäuser und IT-Provider, die die Anforderungen ihrer Kunden gut zu verstehen und auf Basis aktueller Technologie in State-of-the-Art-Lösungen übersetzen, werden auch künftig am Markt erfolgreich sein.